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Probleme meistern

Egal ob mit oder ohne Windeln, früher oder später tauchen sie doch auf, die mehr oder weniger kleinen Probleme. Wenn wir sie als Chancen betrachten, dazu zu lernen und daran zu wachsen, werden wir schnell Lösungen finden, die uns weiter bringen.

In der ersten Schwangerschaft mit meinem Sohn, hatte ich mich als unerfahrene Erstgebärende von meiner Frauenärztin überzeugen lassen, ambulant im Krankenhaus zu entbinden, obwohl ich schon lange der Meinung bin, dass Geburten nicht in ein „Haus für Kranke“ gehören. Ich ließ mich jedoch nicht dazu hinreißen, obwohl ich öfter darauf angesprochen wurde, einer Fruchtwasseruntersuchung zuzustimmen. Bei meiner Tochter wusste die Frauenärztin schon von meiner Einstellung und stimmte mit mir überein, als ich ihr erklärte, ich wolle eine Hausgeburt machen. Sie bot mir sogar an, dass ich sie anrufen könne, falls es zu irgendwelchen Komplikationen kommen sollte. Obwohl ich keine Gedanken an irgendwelche Komplikationen verschwendete, fand ich ihr Angebot sehr nett, denn es ist heutzutage nicht selbstverständlich. Im Gegenteil. Meist wird einer schwangeren Frau nahegelegt im Krankenhaus zu entbinden, vor allem wenn die Frau älter als fünfunddreißig ist. Als unser Sohn nach der Geburt gewaschen war, zog ihm die Hebamme seine erste Papierwindel an. So schnell konnte man gar nicht eingreifen. Ich konnte es gar nicht erwarten die Station zu verlassen, um ihm dieses Ding wieder auszuziehen.

Doch kam es erst mal anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Ich stand schon angezogen und mein süßes winziges Bündel im Arm da, als der Arzt mir sagte, meine Blutwerte würden auf eine Entzündung hindeuten und es wäre besser für mich und vor allem für das Kind, noch eine Nacht zur Beobachtung zu bleiben. Mir wurde auch gesagt, das ich falls ich mich entscheiden sollte zu gehen und dann etwas mit meinem Sohn sei, nicht zurückkommen, sondern in eine Kinderklinik müsse, in der ich dann allerdings nicht über Nacht bei meinem Kind bleiben könne. Nach zwei Tagen Wehen und einer doch recht anstrengenden natürlichen Geburt war ich doch zugegebener Maßen etwas ausgelaugt und so ließ ich mich vom Stationsarzt überreden die Nacht im Krankenhaus zu verbringen. Es war überhaupt die erste Nacht, die ich bewusst in einem Krankenhaus verbracht hatte. Es war sehr laut, ich hörte Kinder schreien. Alle außer meinem kleinen Sohn, den ich aus diesem Glaskasten, der als Babybett diente,  genommen hatte und der selig auf mir schlief, machen hier einen Lärm, es kam mir jedenfalls so vor,  und ich beschloß, käme ich noch mal in diese Situation, anders zu handeln und auf mich zu hören. Das tat ich auch und meine Tochter hat das Licht der Welt bei uns zu Hause erblickt und ich kann nur sagen, das war ein komplett anderes Erlebnis.

Im Nachhinein ärgerte ich mich über die Methoden des Arztes, der in mir Angst erzeugte und so eine weitere Nacht an mir verdiente. Bei der folgenden Untersuchung bei meiner Frauenärztin, am nächsten Tag, stellte sich heraus, dass mit meinem Blut alles in Ordnung war. Auch der Kinderarzt meinte, dass mein Kleiner gesund aussieht und er ihn nicht unnötig mit der Spritze pieken will. Trotzdem hatte der Krankenhausarzt eine Unsicherheit in mir erzeugt, über die ich erst mal hinwegkommen musste. Zudem waren meine Pläne gescheitert, die ersten Tage zurückgezogen und ohne Stress und Hektik mit meiner kleinen Familie zu verbringen. Statt dessen hatte ich gleich Termine bei der Frauenärztin und dann beim Kinderarzt, die sich im Nachhinein als überflüssig herausstellten.



Ich lernte daraus,
noch mehr in mich hineinzufühlen,
wenn mich jemand
nicht nur in Bezug auf mein Kind
von etwas zu überzeugen versuchte.


Es hängt natürlich auch viel von der eigenen Einstellung ab, ob eine Situation als problematisch angesehen wird oder nicht. Sicher kann ich Angst um meinen Perserläufer oder meinen Teppich haben, um mich nochmal diesem Beispiel zuzuwenden, wenn mein Kind unten ohne durch die Zimmer flitzt. Ich kann ihn aber auch für einen gewissen Zeitraum in die Kammer oder auf den Dachboden verbannen. Oft scheinen die Gründe die gegen etwas sprechen zu überwiegen, doch Hindernisse entstehen meist nur in unserem Kopf und für alles lässt sich mit einer veränderten Einstellung eine Lösung finden. Nichts und niemand ist perfekt, doch das macht das Leben ja erst so spannend. Entwicklung passiert, wenn aus Fehlern gelernt wird. Unser Sohn führt uns wenn es mal daneben ging zu der Stelle, zeigt mit dem Finger darauf, schüttelt den Kopf und sagt nein, nein, nein. Er weiß, dass die Pfütze nicht dort hingehört und macht uns darauf aufmerksam.

Wir brauchen uns da nichts vorzumachen, egal wie gut eine windelfreie Erziehung funktioniert, es kommt der Tag an dem eine Pfütze auf unseren frisch geputzten Boden glänzt, der Geruch uns unwillkürlich zu einem kleinen Häuflein führt, die Matratze doch was abbekommen hat oder die frisch angezogene Hose vor Feuchtigkeit trieft. Das passiert selbstverständlich auch bei der herkömmlichen Methode, wenn ein Kind trocken werden soll. Der Urin, besonders der von kleinen Kindern ist steril. Auch riecht frischer Urin von unseren Babys nicht. Er fängt erst an zu riechen, wenn sich Ammoniak bildet, selbst bei Erwachsenen riecht frischer Urin zuerst nach Gemüsebrühe mit einer Mischung von dem, was wir zu uns genommen haben, einen wirklich unangenehmen Geruch entwickelt er erst, wenn er abgestanden ist und sich durch bakterielle Umwandlung der stechende Geruch von Ammoniak einstellt. Das wir sofort die Nase rümpfen ist wohl eher anerzogen. Haben wir nicht alle noch das Pfui Bäh im Kopf, das wir als Kinder oft gehört haben?



Uns sollte Klar sein,
dass unsere Ausscheidung
von Urin und Kot
eine natürliche Funktion
unseres Körpers ist.



Leider wird gerade in unserem westlichen Kulturkreis die eigene Körperlichkeit tabuisiert und damit schon im frühsten Kindesalter ein Schamgefühl geweckt, für das es keine Gründe gibt.

Wenn nun etwas daneben geht, ist es sinnvoll, das Kind nicht glauben zu lassen, es hätte einen Fehler gemacht. Am besten reagiert man so darauf, als ob es einen normalen Gegenstand fallen gelassen hat. Oft war man ja mit der eigenen Aufmerksamkeit ganz woanders und hat selbst die Signale nicht mitbekommen. Manchmal traut man auch seiner eigenen Intuition nicht über den Weg. Mir und meinem Mann ist es mehr als einmal passiert, dass ein Gefühl uns sagte, nun sei es mal wieder so weit. Oft haben wir es auch laut geäußert aber nicht sofort reagiert. Da mussten wir uns nicht wundern, wenn keine Minute später eine Panne passierte. Das passiert uns im übrigen jetzt noch bei unserer Tochter.

Grundsätzlich sollte man darauf achten, keine negativen Gefühle aufkommen zu lassen, denn diese können beim Kind falsch ankommen und es fängt an, seiner eigenen Körperfunktion zu misstrauen. Also ist es am besten gelassen zu bleiben und es mit Humor zu nehmen. Es dauert höchstens eine Minute, die Pfütze wegzuwischen und diese Zeit sollten wir uns nehmen.

Zwischenzeitlich gab es auch immer wieder Phasen, in denen unser Sohn sich weigerte aufs Töpfchen zu gehen oder abgehalten zu werden. Dann machte er sich ganz steif oder fing an, sich wie ein Aal zu winden, dass man ihn kaum halten konnte, auch wenn dann keine zwei Minuten später eine Pfütze auf dem Boden landete. Dann lohnt es sich zu überlegen, was ihr Kind ihnen damit mitzuteilen hat. Möglicherweise steckt es gerade mal wieder in einem Prozess der Selbstfindung. Dazu gehört es auch seinen Willen auszuprobieren, egal ob es gerade sinnvoll ist oder nicht. Just im Moment befindet sich unsere Tochter an so einem Punkt und mein Mann will ihr des Öfteren  am liebsten eine Windel anziehen. Diese Phase ist jedoch schon wieder am abklingen. Manchmal liegt es vielleicht auch daran, dass man selbst im Stress steckt und das Kind es so umsetzt, um uns zu zeigen, dass wir selbst mit unseren Gedanken nicht bei der Sache sind. Da hilft es mal in sich selbst reinzuhorchen.


Die fließenden Übergänge
des Wachstums
und des Lernens sind so subtil,
und das Kind braucht es,
sich von Zeit zu Zeit ausprobieren
zu können.


Um Pannen unterwegs bei Flügen oder bei längeren Autofahrten zu vermeiden bekam unser Sohn auch mal eine Windel an. Bei unserer Tochter halten wir das genauso. Trotzdem machen wir dann in regelmäßigen Abständen eine Pause, um sie abzuhalten. Wir bieten ihr an, Pipi oder Kacka zu machen und danach geht’s bei Bedarf noch eine Runde an die Brust. Damit sind wir auch damals bei unserem Sohn sehr gut gefahren. Beim Spazieren gehen kann die Windel auch weggelassen werden. Im Wald oder in der freien Natur bietet es sich ja regelrecht an, Bäumchen zu gießen oder bei schon größeren Jungen ein Weitpinkeln mit Papa zu veranstalten.

Einfach locker und entspannt zu bleiben, wenn es mal daneben geht ist sicherlich eine gute Übung für das Leben. Allen, die jetzt Lust bekommen haben es auch mit der Windelfreiheit zu probieren wünsche ich viel Freude und ein gutes Gelingen.

 

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