| Babys wollen sauber sein |
|
Bei vielen Eltern, auch wenn sie schon Kinder haben, herrscht der Glaube, Babys könnten ihren Schließmuskel nicht kontrollieren. Sie meinen oder sollte ich sagen es wird ihnen beigebracht, weil wir es anscheinend nicht besser wissen, sobald die Kleinen voll sind, kommt es einfach unten wieder raus. Sogar die Mutter eines guten Freundes, die selbst zwei Kinder großgezogen hatte reagierten mit: „Wie bitte? Aber die können doch erst mit zwei bis drei Jahren ihren Schließmuskel benutzen.“ Als mein Mann sie auf das Thema Windelfreiheit ansprach und ihr erzählte, wie wir diese Methode praktizieren. Da fragten wir uns schon, ob sie denn einmal wirklich richtig zugeschaut hatte oder ob es bei ihren Kindern immer nur in die Windel gegangen ist? Wenn man jedoch sein Baby einmal abhält, wird man zwangsläufig eines besseren belehrt. Kinder beherrschen schon von Anfang an ihren Schließmuskel. Die Ausscheidungen von einem Säugling sind am Anfang relativ flüssig und wir wissen alle wie es sich anfühlt, wenn man selbst „Flitzekacke“ (so steht es in einem Kinderbuch von meinem Sohn beschrieben und ich finde das Wort so passend, dass ich es hier mal gebrauche) hat. Das müssen wir den Kleinen erst mal nachmachen. Ja selbst unser Kinderarzt wollte uns die gute alte Schließmuskel-Geschichte erzählen. Man muss nicht alles glauben, was so erzählt wird.
Wenn wir
Unser Sohn wurde im Juni 2006 geboren und im zarten Alter von zehn Tagen das erste Mal über dem Töpfchen abgehalten, nachdem wir ihm zuvor immer Handtücher und Windeln unter gelegt und ihn beobachtet hatten. Es fiel auf, dass der Kleine unruhig wurde und uns auf seine Art Bescheid gab. An diesem zehnten Tag hat mein Mann aus einer Intuition heraus das Töpfchen geschnappt und ihn gut, auf seinem Unterarm liegend abgestützt, einfach mal darüber gehalten. Dabei machte er Schlüssellaute, auf die wir uns im Vorfeld geeinigt hatten. Er hielt den Kleinen mit der tragenden Hand so, dass er mit Zeige- und Mittelfinger den Popo, rechts und links vom After, antippeln konnte, um so den Fokus dorthin zu lenken. Die andere Hand stützte die Beinchen. Noch am selben Tag hat es ganze dreimal geklappt. Bei meinem Mann hat dieses Erlebnis einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Bei meiner Tochter die im April 2011 bei einer Hausgeburt das Licht der Welt erblickt hatte begann die windelfreie Erziehung schon eine Viertelstunde nach der Geburt. Die Hebamme nahm die Kleine, die noch im warmen Wasser der Geburtswanne auf mir drauf lag, damit wir ins kuschelige Bett wechseln konnten und reichte sie meinem Mann. Dort fing sie an das Kindspech oder Mekonium, was der erste Stuhl eines Neugeborenen ist, auszuscheiden, begleitet von den Schlüssellauten meines Mannes und der Hebamme. So hatten wir auch das klebrige Thema Kindspech schnell hinter uns gebracht, was uns sehr freute.
Babys, auch die kleinsten, wissen wann sie müssen und sagen uns auch Bescheid. Es liegt also an unserer Aufmerksamkeit, ob wir merken, wann es soweit ist. Ein kleiner Trick für die kalte Jahreszeit ist, das Töpfchen auf die Heizung oder auf den Ofen zu stellen. Das macht die Sache viel angenehmer und bei der Morgentoilette freuen sich die Kleinen förmlich auf ihren warmen Thron. Allerdings ist es sinnvoll, zu warten, bis das Kind völlig wach geworden ist. Bei unserer Tochter ist es schon passiert,dass sie richtig empört war, als wir sie einmal noch schlaftrunken auf das Töpfchen setzen wollten. Die weit verbreitete Meinung, ein Baby sollte möglichst lange Windeln tragen, da es bei einem zu früh, was auch immer zu früh heißen mag, begonnenen Sauberkeitstraining einen Schaden davon tragen könnte, ist soweit ich das aus eigener Erfahrung beurteilen kann absolut an den Haaren herbeigezogen. Studien, die so etwas behaubten, werden meiner Meinung nach von der Industrie bezahlt und dann von den Medien unter das Volk gestreut. Ich kenne niemanden, der es toll findet seine Toilette am Körper zu tragen. Warum sollten ausgerechnet Babys auf eine volle Windel stehen und einen psychischen Schaden bekommen, wenn sie dabei Unterstützung erhalten, ihre Bedürfnisse zu befriedigen? Zu diesen Bedürfnissen gehört auch, sich sauber zu fühlen. Wenn es bei Kindern so aussieht, als mache es ihnen nichts aus, schmutzige Windeln am Körper zu tragen, interpretiere ich das eher als ein -Sich damit abgefunden haben- . Meine Erfahrung ist, dass meine Kinder wenn es mal groß in die Hose ging, natürlich ist das bei uns auch schon passiert, auf jeden Fall aus ihrer Hose raus wollten und zwar umgehend. Noch ein sehr guter Grund für eine windelfreie Erziehung ist, dass windelfreie Kinder sehr selten Koliken haben, da sie ihren Kot nicht einhalten müssen. Koliken können sehr unangenehm sowohl für das Kind als auch für die Eltern sein und haben Vielen schon schlaflose Nächte beschert. Unser Sohn hat einen regelmäßigen Stuhlgang. Generell muss er am Morgen nach dem Aufstehen, so wie die meisten Erwachsenen auch. Wir haben für uns heraus gefunden, dass es sinnvoll ist, unseren Kindern nach dem Schlafen und nach dem Essen oder Stillen eine „Sitzung“ anzubieten. Die Annahme, es mache viel weniger Arbeit mit Einmal-Windeln zu wickeln, kann ich wirklich nicht nachvollziehen. Ich finde es einfacher, unseren Sohn oder unsere Tochter wenn sie müssen, über der Toilette abzuhalten und ihnen danach den Popo sauber zu machen, der im Normalfall kaum beschmutzt ist, als ihn nachdem er sich voll gemacht hat auszuziehen, ihn zu waschen zu ölen und wieder anzuziehen. Ein Wisch genügt zumeist. Wer sein Baby schon mal aus einer vollen Windel geholt hat und die durch Dehydration (Wasserentzug) festgeklebten Reste mit einem Waschlappen, einem feuchten Tuch oder Öltuch regelrecht abkratzen musste, der weiss wovon ich rede. Selbst wenn gleich reagiert wird, hat sich der Kot, der sich sonst stolz erst als Creme, dann immer mehr als Wurst im Töpfchen präsentiert, über Windel und Po verteilt und es braucht definitiv länger das Baby wieder zu reinigen. Das Töpfchen ist garantiert schneller sauber gemacht. Trotzdem höre ich leider immer wieder von befreundeten Müttern, dass es ihnen zu viel Arbeit wäre den ganzen Tag hinter dem Kind herzurennen. Dabei ist das gar kein Muss und ich renne meinem Kind bestimmt nicht den ganzen Tag hinterher.Vielmehr wird eine Intuition genutzt, die einem zum richtigen Moment sagt, was dein Kind benötigt oder das Kind signalisiert es selbst, indem es auf sich aufmerksam macht. Alles ist sozusagen im Fluss, wenn man sich darauf einlässt. Wer Töpfchen nicht mag, kann auch gleich mit dem Kind auf die Toilette gehen. Eine Praktik ist sich selbst mit gespreizten Beinen auf den hinteren Teil der Klobrille zu setzen und das Kind vor sich plazieren, so als hätten sie es auf dem Schoß.Es kann auch noch zusätzlich mit den Händen abhaltend unterstützt werden, was in den ersten paar Monaten auf jeden Fall angebracht ist. Ich benutze sowohl das Töpfchen als auch die Toilette. Meine Tochter weiß auch genau, wozu die Toilette gut ist und ich brauch meistens nicht mal bis drei zählen, um das Plätschern oder auch den Platsch zu hören. Sie können es aber auch von vorn über die Schüssel halten. So lernt das Kind von Anfang an den Ort kennen, an dem es sein Geschäft erledigen kann. Meinen Sohn setzte ich morgens auf das Töpfchen und zwischendurch bot ich ihm auch immer wieder die Toilette an und nahm ihn mit, wenn ich selbst mal musste. Unser Badezimmer ist meisens offen und so bekommt unsere Tochter mit wer gerade auf die Toilette geht, darf zusehen, auch bei ihrem Bruder. Am meisten freut sie sich auf das Spühlen. Da müssen wir immer warten, bis es auch wirklich aufgehört hat und kein Wasser mehr fließt. Das alles passiert so nebenbei und ist nicht wirklich anstrengend. Natürlich gibt es auch so Tage an denen es so gar nicht klappt mit der Kommunikation, doch die sind zum Glück sehr selten und sollten nicht überbewertet werden. Das Kind sollte auch mitbekommen, dass seine Eltern den gleichen Ort besuchen Es ist also sinnvoll, das Baby öfter mit auf die Toilette zu nehmen, wenn man selbst muss. ´Geht man offen mit seinem eigenen Ausscheidungsbedürfnis um und lässt seine Kinder mit ins Bad, auch wenn man Stuhlgang hat und es vielleicht gerade mal nicht so gut richt, baut sich auch kein künstliches Schamgefühl auf, wie es weit verbreitet ist und gelegentlich zu seelischen Problemen führt. Die Zeiten in denen zum Beispiel die Jungs mit den Händen auf der Bettdecke schlafen mussten, sollten ja wohl vorbei sein. Da fällt mir auch ein, dass die sogenannte Anale Phase nach Freud an meinem Sohn vorbeigegangen sein muss. Bei meiner Tochter ist das noch abzuwarten, da sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt erst acht Monate alt ist. Pippi findet sie auf jeden Fall interessant und möchte immer sehen was ins Töpfchen gegangen ist. Wir sollten uns einfach mal vor Augen führen, wie Paradox eine Erziehung für das Kind ist, in der nur mit Windeln oder Einmalwindeln hantiert wird oder die eigenen Ausscheidungen als Pfui oder Bäh betitelt werden. Wenn sie sich beispielsweise nur von Früchten ernähren würden, röche ihr Stuhl gar nicht mehr so Pfui Bäh Bäh sondern eher nach den Früchten, die sie zu sich genommen haben. Ist das nicht interessant? Nachdem das Baby sein ganzes, bisheriges Leben seine Klamotten als Toilette benutzen konnte, darf es das auf einmal nicht mehr. Und was nun? Nun wird von dem Kind verlangt, dass es alles, was es bislang für richtig gehalten hat als falsch betrachtet. Darüber hinaus ist die Angst unbegründet, die Babys würden sich viel öfter erkälten, wenn sie den ganzen Tag nackt herumlaufen. Das tun sie ja nicht, es sei denn, es ist Sommer oder sehr heiß draußen. Unser Sohn hatte in seinem ersten Lebensjahr nur einmal für drei Tage einen leichten klaren Schnupfen, obwohl er in der Krabbelgruppe ständig mit kleinen rotzigen, Näschen in Berührung kam und des öfteren fremde Fläschchen und Spielsachen in den Händen und vor Allem im Mund hatte. Allerdings war ich leider auch die Einzige, die nach einem halben Jahr ihrem Baby noch die Brust gab. Es war im Winter, als mein Sohn das erste Mal kurzzeitig schnüpfelte und natürlich hatte er warme Wintersachen an. Die erste Nacht war erschreckend für mich, da er zeitweise nicht durch die Nase atmen konnte. Er, kannte diese Situation gar nicht und auch für mich war diese Situation neu. Der Kleine musste erst mal feststellen, dass man ja auch durch den Mund atmen kann. Unser Sohn weinte bitterlich, was die Nase nur noch mehr verstopfte. Zum Glück ging es ihm in der folgenden Nacht wieder erheblich besser. Er bekam ein homöophatisches Mittel aus der Hausapotheke, welches mir meine Heilpraktikerin empfohlen hatte. Seine Nase war weitgehend frei, so dass er wieder atmen konnte. Nach dieser Nacht fragte ich mich des öfteren, wie das wohl bei Kindern ist, die häufiger ein verschnupftes Näschen haben und wie die Eltern damit umgehen und war froh über unser Familienbett, da ich so jederzeit für ihn da sein konnte. (Das hat zwar nichts direkt mit windelfreier Erziehung zu tun, jedoch sind für mich die verschiedenen Themen so miteinander verwoben, dass sie überall im Buch auftauchen können.) Je nach Wetterlage haben unsere Kinder natürlich auch Unterhosen und Hosen an. Sind wir länger unterwegs wird auch mal gewickelt. Ich sehe das nicht so dogmatisch. Oft freue ich mich, wenn ich die Windel wieder ausziehe, denn für gewöhnlich ist sie dann noch trocken. Als mein Sohn noch sehr klein war nahm ich ausschließlich Wollwindeln und ein Wollhöschen darüber. Später, als mein Sohn schon laufen konnte, benutzte ich wenn es denn mal sein musste Windelhöschen. Das hatte den Grund, dass ich unserem Kleinen nicht das Gefühl vermitteln wollte, ihn zu windeln sondern ihn genauso anzog, wie mich auch. Er trug sonst normale Unterhosen. Lange passten ihm immer noch die ersten Höschen mit der Größe Fünfzig, da ja die Windel wegfiel und keinen Platz in Anspruch nahm. Beim Anziehen konnte er auch aktiv mithelfen, was er auch tat, wenn er wollte. Schon mit knapp vier Monaten streckte er mir seine kleinen Ärmchen entgegen, um beim Pullover anziehen mitzuhelfen. Unsere Tochter schläft bisher Nachts in Wollwindeln. Es gab aber auch schon viele Nächte in der sie Nachts trocken blieb und ich ihr keine Windel anzog. Manchmal schläft sie die erste Hälfte der Nacht mit Windel und wenn diese nass wird, ziehe ich sie aus und sie darf die zweite Nachthälfte ohne Windel weiterschlafen, da sie aller Wahrscheinlichkeit nach erst wieder am Morgen muss. Tagsüber trägt sie nur unterwegs Wollwindeln und das im Moment eher da sie gerade ihren ersten Winter erlebt. Bis jetzt leider ohne Schnee. |