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Wege führen zur Windelfreiheit
Wie die meisten Frauen habe ich erst in der Schwangerschaft begonnen, mich für Themen wie Säuglingspflege zu interessieren. Zunehmend finden immer mehr Mütter und auch Väter in den westlichen Gesellschaften zurück zur windelfreien Erziehung. Nachdem ich mich ausführlich mit der Thematik Windel oder keine oder beides, Wolle oder Papier oder beides beschäftigt hatte, fühlte es sich stimmig an, es ohne zu versuchen und wenn es denn mal sein muss ohne schlechtes Gewissen Wolle oder Papier zu gebrauchen. Heute kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, mit der Sauberkeitserziehung so lange zu warten wie es die sogenannten Experten vorschlagen. Mit der Zeit wird jeder zu seinem eigenen Experten. Für mich gilt heute der Grundsatz, so natürlich wie möglich und je nach Situation.

Als wir vor ein paar Jahren im Sommer unterwegs waren, lernte ich eine interessante Frau aus Kalifornien kennen, die ihren dreijährigen Sohn auch windelfrei erzogen hatte. Sie erzählte mir das dort viele Frauen Windelfreiheit praktizieren. Es boomt geradezu. Auch wenn ich auf sogenannte Trends nicht viel gebe, da sie schnell wieder in der Versenkung verschwinden und durch etwas Anderes ersetzt werden, freute ich mich das zu hören. Ich hoffe, dass sich aus diesem Trend etwas entwickelt, das Bestand hat, durch Sinnhaftigkeit. Und sinnvoll ist eine windelfreie Erziehung in vielfältiger Hinsicht. Nicht nur ihr Kind sondern auch die Natur zieht ihren Nutzen daraus.
 
Hier möchte ich gerne ein paar erklärende Worte einfügen, damit besser verstanden wird, wie Ausscheidung funktioniert. Unser Körper weiss ganz genau, was er wann und wie tut. Er weiss, wann er Hunger hat, wann er Kot und Urin ausscheiden muss oder möchte. Wir alle kennen das aus eigener Erfahrung, und warum sollte es bei unseren Kindern anders sein?


Der Körper
sorgt unentwegt dafür,
dass wir unsere
Grundbedürfnisse wahrnehmen
genauso wie er dafür sorgt,
dass wir atmen
unser Herz schlägt,
und unsere Haare und Nägel wachsen.



Babys nehmen den Verdauungsprozess bewusst wahr, nicht nur dann, wenn Blähungen sie plagen. Unsere Blase meldet sich, wenn sie die halbe Menge ihres Fassungsvermögens erreicht hat, zum ersten Mal. Normalerweise gehen wir diesem Drang nach, der durch einen Reflex bei der Ausdehnung der Blase erzeugt wird. Entspannt sich der innere Blasenmuskel, kann der Urin durch die Harnröhre abfließen. Dies geschieht unwillkürlich. Der äußere Blasenmuskel lässt sich bewusst kontrollieren. Wenn wir diesen entspannen, urinieren wir. Nach dem gleichen Prinzip funktioniert auch die Entleerung des Stuhls. Ausscheidung hat also etwas mit Entspannung und loslassen zu tun.
   
Was mich immer wieder fasziniert, ist die Erkenntnis, dass unser Sohn und unsere Tochter warten, wenn es gerade nicht so günstig ist oder am Morgen. Die Kinder warten tatsächlich, bis wir das Töpfchen geholt und sie drauf gesetzt haben, um dann loszulassen. Die Signale, die der Körper aussendet, wenn er sich entleeren will nehmen wir von Anfang an wahr und wer sein Kind beobachtet, weiß das auch.
   
Wenn die Entscheidung zu einer windelfreien Erziehung gefällt wurde kommen natürlich viele Fragen auf.



Wichtig ist,uns
und auch dem Kind
zu vertrauen,
dass wir fähig sind
eine Symbiose
miteinander aufzubauen.
Werden wir feinfühlig
für den Rhythmus des Kindes,
verliert es diesen nicht
und wir haben die Chance,
zu lernen selbst wieder
den Moment zu leben.



Windelfreie Erziehung sollte auf keinen Fall in einen Wettstreit ausarten. Es wird immer mal Phasen geben, in denen es daneben geht. Die kleinen sind dann eben mit anderen Dingen beschäftigt. Es gibt schließlich so viel zu lernen. Auch sollten die Eltern sich nicht selbst unter Druck setzen. Es ist völlig in Ordnung auch mal nicht bei der Sache zu sein. Das Umtrainieren eines zwei bis dreijährigen Kindes, also die Umstellung von Windel auf Töpfchen oder Toilette, dauert ja auch nicht nur ein paar Tage. Im Gegenteil. Schließlich müssen lang antrainierte Verhaltensweisen, die zur Gewohnheit geworden sind aufgebrochen werden. Es ist wie bei allen Gewohnheiten. Es dauert meiner Meinung nach mindestens drei Wochen meist aber viel länger, bis eine Gewohnheit aufgegeben werden kann.

Zu der Frage, wann am besten begonnen werden soll, kann ich nur sagen, zu jeder Zeit und am besten von Anfang an. Ich habe unseren Sohn die ersten Tage und Wochen fast ausschließlich an meinem Körper getragen und ihn und seine Signale beobachtet. Da an den ersten Lebenstagen das sehr klebrige dunklelgrüne bis schwarze Mekonium (Kindspech), ausgeschieden wird, ist zu empfehlen, ein Tuch unterzulegen. Wenn sie die Ausscheidung mitbekommen, können sie ein Papiertuch dran halten. Das Kindspech klebt so gut, dass man es dann gut und ohne viel Geschmiere aufnehmen kann.

Wenn das Baby muss, kann man Schlüssellaute, die man sich vorher ausgesucht hat, sagen. Die Worte Pipi und Kacka sind nicht zu empfehlen, da sie auch von anderen gebraucht werden. Es könnte so leicht zu Missverständnissen kommen. Besser ist es sich am Vorgang zu orientieren und für Pipi ein eher fließendes Geräusch und für Kacka etwas wie ein leichtes Stöhnen zu gebrauchen. Da das Kind nicht so oft Stuhlgang hat, wie es urinieren muss, fällt es am Anfang einfacher auf die Ausscheidungen des Stuhls einzugehen. Morgens nach dem Schlafen das Kind abzuhalten ist sinnvoll, da die Blase dann voller ist. Unser Kleiner hatte fast jeden Morgen regelmäßig Stuhlgang und muss Pipi. Unsere Tochter legt nicht so eine Regelmäßigkeit an den Tag, doch  bekommen wir es gut mit, wenn sie groß muss, denn sie macht vorher Drückgeräusche, wobei sich manchmal ihr ganzer Körper anspannt. Je später mit der Erziehung zur Windelfreiheit begonnen wird desto schwieriger kann es werden, da das Kind schon gelernt hat, dass auf seine Ausscheidung nicht reagiert wird und es dem gegenüber auch gleichgültig geworden ist. Da heißt es, nicht die Geduld verlieren und am Ball bleiben.


Auch eine Mischung
von Windelfreiheit
und Windeln ist möglich,
sobald ihr Kind weiß,
worum es geht.
Es sollte sich nur nicht daran gewöhnen
in die Hose machen zu können.



Das heißt auch mit Windel muss auf die Signale des Kindes und auf die eigene Intuition gehört und reagiert werden. Am besten einfach mal ausprobieren, denn die eigenen Erfahrungen sind bekanntlich die besten Lehrer. Viele Kinder krümmen sich zusammen, ziehen also die Beine an den Bauch. Oft haben sie auch einen abwesenden Gesichtsausdruck. Wenn sie den bemerken könnte es allerdings auch schon zu spät sein.Doch jedes Kind ist anders. Das eine macht bestimmte Geräusche, ein anderes hat einen bestimmten Ausdruck im Gesicht und wieder ein anderes macht spezielle Bewegungen.

 
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